Für Solaranlagen, die auf mehrere Verbraucher laden (zB. Boiler, Puffer, Becken), ist die Angabe der Vorrangwertigkeit der einzelnen Kreise zwingend erforderlich. Für ein Vorrang- Nachrangsystem gibt es zwei grundsätzliche Regelverfahren. Absoluter Vorrang: Erst wenn die Temperatur des übergeordneten Vorrangspeichers die Begrenzung (max- Schwelle) überschritten hat, wird in den nächst niedrigeren Rang geschaltet. Relativer Vorrang: Die Ladung beginnt mit dem kälteren Speicher (da der Kollektor zuerst zu diesem die Differenz erreicht), auch wenn dies ein Nachrangverbraucher ist.
Während der Ladung in den Nachrangverbraucher beobachtet das Gerät die Kollektortemperatur. Erreicht die Kollektortemperatur bei bereits laufender Pumpe wieder die Einschaltdifferenz des momentan zugeschalteten Verbrauchers, wird der Vorrangtimer aktiviert. Bei Verwendung eines Strahlungssensors muss dieser an Stelle der Einschaltdifferenz einen Schwellwert überschreiten.
Der Vorrangtimer schaltet die Pumpe für die Wartezeit 1 (60 Sec) ab. Nach der Spülzeit (1,3) berechnet der Computer die Zunahme der Kollektortemperatur. Er erkennt, ob die eingestellte Gesamtwartezeit tw zum Erhitzen des Kollektors auf Vorrangtemperatur (5) reicht. In Fall 2 wird bis zum Umschalten auf den Vorrang gewartet. Wenn der Computer feststellt, dass die Zunahme innerhalb der Zeit tw nicht ausreichen wird (Fall 4), bricht er den Vorgang ab und aktiviert den Vorrangtimer erst nach der Laufzeit tL wieder. Bei Laufzeit = 0 wird der Nachrang erst nach Erreichen der Maximalschwelle des Vorranges erlaubt. Somit ist das System auf absolute Vorrangvergabe umgeschaltet.
| Eingangsvariable | Ausgangsvariable |
|---|---|
| Freigabe Solarvorrang | Spülvorgang = Angabe des Ausganges für die Spülung |
| Solarstrahlung = Strahlungssensor | |
| beteiligte Funktionen = Eintrag aller in die Funktionsliste eingetragenen Solarfunktionen |
In diesem Funktionsblock sind als “beteiligte Funktionen” nicht einzelne Werte, sondern ganze Funktionsmodule Eingangsvariable. Das Programm sucht sich selbstständig alle benötigten Werte aus den beteiligten Funktionsmodulen und blockiert auch selbständig die beteiligten Module, die in der Rangordnung untergeordnet sind.
(Annahme: In die Funktionsliste sind sechs Solarfunktionen eingetragen)
| Displayausgabe | Erklärung |
|---|---|
| BEZ.: SOLVORR | Bezeichner der Funktion. Dieser sollte eindeutig vergeben werden da er bei Verknüpfungen als Quelle angegeben wird. |
| FUNKTIONSSTATUS: | Untermenü |
| EINGANGSVARIABLE: | |
| AUSGANGSVARIABLE: | |
| VORRANGZUORDNUNG: | |
| SOLAR 1 1 | SOLAR 1 hat höchste Priorität |
| SOLAR 2 2 | SOLAR 2 hat die zweite Priorität |
| SOLAR 3 3 | SOLAR 3 hat die letzte Priorität |
| SOLAR 4 1 | SOLAR 4 hat höchste Priorität |
| SOLAR 5 2 | SOLAR 5 hat die zweite Priorität |
| SOLAR 6 3 | SOLAR 6 hat die letzte Priorität |
| NACHRANGZEITGLIED: | |
| Ab Vorrangstufe 2 | SOLAR 1 wird ohne Zeitglied “absolut” geladen |
| Solarstr.: 488 W/m² | momentane Solarstrahlung (entfällt ohne Strahlungssensor) |
| Schwellw.: 200 W/m² | Aktivierungsschwelle d. Timers (entfällt ohne Strahlungssensor) |
| Laufzeit: 20 Min | Laufzeit des Nachrangverbrauchers bis zum Timerstart |
| Wartezeit: 5 Min | Innerhalb von 5 Minuten muss der Kollektor die Temperatur des Vorrangspeichers erreicht haben, ansonsten wird weiter in den Nachrangspeicher geladen |
Wie aus dem Beispiel ersichtlich, ist auch eine Vergabe von gleichen Prioritätsstufen möglich. Das ist aber grundsätzlich nur in Anlagen mit mehreren Kollektorfeldern sinnvoll. Die Prioritäten aus dem Beispiel würden einer Anlage mit zwei Kollektorfeldern auf drei Verbraucher entsprechen (z.B. Solar 1 = Kollektor 1 auf Speicher 1 und Solar 2 = Kollektor 1 auf Speicher 2….). Da das Nachrangzeitglied erst ab Vorrangstufe 2 aktiv ist, werden zuerst SOLAR 1 und SOLAR 4 erlaubt, bis der Verbraucher seine Maximaltemperaturen erreicht hat (absolut). Erst danach beginnt die Vorrangbehandlung der anderen Solarfunktionen über den Vorrangtimer (relativ). In Standardsolaranlagen hat sich diese Vorrangtimer- Technologie bereits bestens bewährt. Es kann daher fast immer auf den Einsatz eines Strahlungssensors verzichtet werden.